Weltmetropole Ruhr

Engagiert diskutierten Helmut Diegel (Regierungspräsident Arnsberg), Dr. Fritz Pleitgen (Ruhr 2010-Geschäftsführer) und Karl-Friedrich Schulte-Uebbing (IHK Nord-Westfalen) über Zukunftschancen des Reviers. (Von Detlev Kittler-Capredon)

Welche Zukunft hat das Ruhrgebiet? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion des VGW am Donnerstagabend im Innovationszentrum Wiesenbusch.

Moderator Thomas Wels, der Leiter des WAZ-Wirtschaftsressorts, kam gleich zur Sache: “Was muss sich ändern, damit das Revier ein zukunftsfähiger Industriestandort bleibt?” Regierungspräsident Helmut Diegel (Arnsberg), Dr. h.c. Fritz Pleitgen, der Vorsitzende der Geschäftsführung Ruhr 2010 Gmbh (Essen) sowie Karl-F. Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen (Münster), gaben ihre Einschätzungen.

Der IHK-Geschäftsführer bestritt eingangs vehement, dass das Revier trotz Strukturwandels zum Dienstleistungs- und Energiestandort keine Industrie-Region mehr sei. Diese Begründung lieferte im Folgenden vor allem Fritz Pleitgen, der “Manager” für das Revier als “Kulturhauptstadt Europas”. Der Ex-WDR-Intendant und weitgereiste Reporter sieht gute Chancen, dass endlich das Kirchturmsdenken überwunden wird. Er spüre, dass jetzt alle an einem Strang zögen, um das Revier im globalen Wettbewerb ganz weit nach vorn zu bringen.

Wir haben eine blühende Kulturlandschaft mit Theatern, Museen und Universitäten. Wir brauchen die Konkurrenz mit New York oder London da nicht zu scheuen!” Einig waren alle, dass daher in der “Kreativ-Wirtschaft”- also der immer stärker wachsenden Branche der Dienstleistungen von Medien, Werbeleuten und Künstlern sowie einer Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft (“Wissenschafts-Davos”) – eine große Zukunftschance liege. Pleitgen merkte launig an: “Wir müssen den Spitzensport einbeziehen. Ich als BVB-Fan möchte sogar, dass 2009 das UEFA-Endspiel im Schalke-Stadion stattfindet!” Das zu erwartende Medienecho sei für einen Imagegewinn der künftigen “Kulturhauptstadt Ruhrgebiet” unersetzlich.

Stehen diesen Visionen einer “Weltmetrople Ruhr” nicht die bestehenden Verwaltungsstrukturen – mit 52 Bürgermeistern, zwei Landschaftsverbänden und dem RVR – entgegen? Diegel sieht sich und seine Kollegen in Münster und Düsseldorf als “Bündeler” von Interessen, aber auch als Kommunalaufsicht – vor allem bei den Finanzen. “Es muss sichergestellt werden, dass auch eine Nothaushaltsgemeinde wie Gladbeck bei der Kulturhauptstadt mitmachen kann”, forderte Pleitgen. Ob “Schulden-Städte” mitmachen dürften, werde im Innenministerium entschieden. Zweifel am Sinn eines Großflughafens kamen auf, wichtiger blieben dezentrale Regionalflughäfen, hieß es und der Verkehrsfluss auf den Straßen sei derzeit katastrophal.

Einigkeit herrscht darin: es gelte, über die Vielfalt zu einer Einheit zu finden – ohne den “Ruhr-Gouverneur in Essen”.