Da müssen wir durch.

11.06.2007 / Lokales / Gladbeck – von Maria Lüning +++ Klare Botschaften für Gladbeck hatte die Ministerin im Gepäck und zögerte nicht, diese mitzuteilen. “Jetzt wird gebaut, auch wenn das Unbequemlichkeiten bringt”, lautete die eine in Richtung Bürgermeister Roland.

Der hatte zuvor um Unterstützung bei der Lösung der anstehenden Verkehrsprobleme und explizit beim Ausbau der B 224 gebeten – mit deutlichem Hinweis auf eine für Gladbeck unzumutbare fünfjährige Bauphase. “Da müssen wir durch” machte Ministerin Thoben deutlich und verwies auf viel zu lange Planungsverzögerungen in der Vergangenheit. Die Landesregierung wolle nach vorn gucken, ganz besonders in der Wirtschaft. Jammern war gestern, so die nächste Ansage von Frau Thoben, gemeint als eine klare Absage an alle, die an Vergangenem festhalten wollen. Ebenfalls passé: Staatliche Förderung für alles und jeden. “Das macht bequem”. Der Strukturwandel sei vorbei, das müsse auch mental begriffen werden. Beispiel: Der vereinbarte Kohleausstieg bedeute das Ende für den über Jahre hochsubventionierten Bergbau. Mit der Umsteuerung der EU-Mittel wolle man nun gezielt dort fördern, wo “was dabei rumkommt”.

Bei allem Nachholbedarf im Land – zu wenige Selbstständige, zu wenig Forschung in der Wirtschaft – sieht Christa Thoben dennoch viel Potential und Wirtschaftskraft in NRW und im Ruhrgebiet. “Wir können Spitze werden, z. B. bei der Umwandlung von Abwasser in Biogas, bei der Produktion von Wasserstoff in Kombination mit der Brennstoffzelle.” Darüber hinaus gelte es, die Stärken, beispielsweise in der Logistik und im Energiebereich, auszubauen.

Aber die Ministerin plädierte auch engagiert für eine kreative Ökonomie. Für “spinnerte Ideen und Typen, die Marktchancen entdecken”, und beispielsweise Fahrkartenautomaten entwickeln, die man problemlos bedienen kann. Oder Rollatoren, die nicht hässlich sind . . .

Die Botschaften kamen an bei den VGW-Mitgliedern, die aber auch genauer nachfragten. “Wir wollen neue Produkte produzieren, doch man lässt uns nicht machen”, klagte Unternehmer Amft über bürokratische Hemmnisse, und erfuhr, dass das Wirtschaftsministerium versuche, Bewilligungsprozesse zu beschleunigen.

Kommunalen Sonderkonditionen für Neuansiedler (wie angeblich in Holland derzeit üblich) erteilte die Ministerin dagegen eine klare Absage. Die Findigkeit von Unternehmen, solche Konditionen auszunutzen, kenne sie zu gut. Eine spezielle Förderung für die Nutzer von Wärmepumpen, wie sie Reinhold Fischbach forderte, lehnte sie ebenfalls ab. Das rentiere sich nach acht Jahren und lohne deshalb den hohen Anschaffungspreis.

Klare Worte, klare Ansagen. Wie sich die “Metropolregion Ruhr auf dem Weg in die Zukunft” (so der Titel ihres Vortrags) macht, daran ließ die Ministerin keinen Zweifel.